MS-Mythen unter der Lupe
26.09.2017

MS-Mythen unter der Lupe

Rund um die Erkrankung Multiple Sklerose (MS) ranken sich viele Gerüchte – was stimmt und was nicht? Wir haben für Sie fünf weit verbreitete Mythen überprüft!
 

  1. MS wird vererbt.

    Nein, die Erkrankung selbst ist nicht vererbbar, allerdings kann die Veranlagung, an MS zu erkranken, vererbt werden.

    MS gehört zu den so genannten Autoimmunerkrankungen, bei denen sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen richtet. Die meisten Experten gehen davon aus, dass der Auslöser dieser Fehlfunktion wahrscheinlich eine Kombination aus umweltbedingten, genetischen und viralen Faktoren ist. 1

    Daher hat jemand, der mit einem MS-Betroffenen verwandt ist, ein höheres Risiko für die Entwicklung der Erkrankung als jemand ohne einen Verwandten mit MS. Das bedeutet aber nicht, dass er oder sie zwangsläufig an MS erkrankt! Für Kinder oder Geschwister von MS-Patienten beträgt das Risiko, die Krankheit zu entwickeln, ca. 3%.2,3
     
  2. Wenn ich beschwerdefrei bin, muss ich meine Medikamente auch nicht nehmen.

    Doch!

    Auch wenn Sie gerade keine Symptome spüren, ist es sehr wichtig, dass Sie weiterhin Ihre Medikamente einnehmen! Und zwar genauso, wie vom Arzt verordnet! Denn die Medikation dient auch dazu, weitere Schübe hinauszuzögern. Diesen Effekt verlieren Sie, wenn Sie die Medikamente absetzen.4
     
  3. Eine Ernährungsumstellung kann MS heilen.

    Leider nein.

    Für jeden von uns leistet eine ausgewogene Ernährung einen wesentlichen Beitrag für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Das gilt natürlich bzw. ganz besonders für Menschen mit einer chronischen Erkrankung. Aber es gibt keine „MS-Diät“, die die Krankheit heilen kann. Ob bestimmte Ernährungsumstellungen die Erkrankung positiv beeinflussen können, wird von Experten noch untersucht.5 Eine medikamentöse Therapie ist aber auf jeden Fall unerlässlich, um die Schubintensität zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen!
     
  4. Als MS-Patientin darf ich keine Kinder bekommen.

    Doch!

    Auch an MS-erkrankte Frauen können und dürfen Kinder bekommen. In der Regel hat die Erkrankung keine negativen Auswirkungen auf die werdenden Mütter bzw. ihren Nachwuchs.6
    Wenn bei Ihnen ein Kinderwunsch besteht, sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt/Ihrer behandelnden Ärztin darüber. Dieser/Diese wird Sie informieren, bei welchen MS-Medikamenten eine Schwangerschaft möglich ist und was sonst noch zu beachten ist.
     
  5. MS-Betroffene dürfen keinen Sport treiben.

    Doch!

    Früher wurde MS-Betroffenen von sportlicher Betätigung abgeraten. Man war der Meinung, dass die körperliche Erschöpfung den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen könnte. Heute weiß man, dass es genau umgekehrt ist: Bewegung verbessert das Wohlbefinden der MS-Betroffenen und kann sich positiv auf ihren Gesundheitszustand auswirken. Daher lautet die heutige Empfehlung für MS-Patienten: 20 bis 60 Minuten Bewegung täglich!4
     
  6.  


    Quellen

    1. Belbasis L, et al: Environmental risk factors and multiple sclerosis: an umbrella review of systematic reviews and meta-analyses. Lancet Neurol. 2015 Feb 3. pii: S1474-4422(14)70267-4
    2. Didonna A et al: Genetic determinants of risk and progression in multiple sclerosis; Clin Chim Acta. 2015 Feb 4
    3. Fagnani C et al:Twin studies in multiple sclerosis: A meta-estimation of heritability and environmentality. Mult Scler. 2015 Jan 12
    4. Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V, a href="https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-infos/ms-und-sport/einfuehrung/der..." target="_blank">https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-infos/ms-und-sport/einfuehrung/der...
    5. www.ms-service.at: Folder „Information über Ernährung bei Multipler Sklerose“, 2016
    6. van der Kop Mia L et al: Neonatal and delivery outcomes in women with multiple sclerosis. Annals of Neurology, 2011 Juli, Volume 70, p 41–50