Das Leben ausmisten
27.07.2016

Wenn das Leben zu voll ist – das Leben ausmisten …

Da ist ein Termin, noch einer und am Nachmittag muss der Nachwuchs vom Kindergarten abgeholt und zur Klavierstunde gebracht werden. Die Freundin braucht Umzugshelfer und so weiter. Dazu kommen Arzttermine, Einkäufe, oh und die Wäsche! Ach ja, und der Bescheid vom Amt? Wo war der genau abgelegt? Fragen, Aufgaben, Erledigungen, Suche, Zeitaufwand und keine Pause. Nicht gut. Für keinen, besonders aber nicht für MS-Patienten.

In Momenten wie diesen macht sich Erschöpfung breit, Schmerzen und MS-Symptome kommen dazu und verstärken sich. Das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung steigt. Auf der anderen Seite möchte man alles gut erledigen und schaffen. Wir geraten immer wieder in die Bedrängnis zwischen totaler Erschöpfung und Pflichtbewusstsein. Der Ballast, der sich auf den eigenen Schultern aufgetürmt hat, ist im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr tragbar. Körper, Geist und Seele sind ausgelaugt. Negativer Stress breitet sich aus und oft führen solche Momente zu Depressionen und Frustration.

Eine Situation, die gerade MS-Betroffenen sehr zu schaffen machen kann. Es ist bekannt, dass Körper, Geist und Seele Auszeiten zur Regeneration benötigen. Gerade mit Multipler Sklerose ist es wichtig, die Lebensbalance zu halten. Klar ist: Belastende Moment lassen sich nie ganz ausschließen, aber Dauerbelastung ist ungesund.

Die gute Nachricht ist: Es gibt durchaus Möglichkeiten, sich das Leben zu erleichtern, negativen Stress abzubauen und Energiesauger zu reduzieren. Der Effekt: Zeit für sich selbst und um sich Gutes zu tun.

Es ist zunächst wichtig, eine Bestandsaufnahme zu machen und zu erkennen, was nicht gut läuft, was belastet und Druck ausübt. Es ist der Blick auf sich selbst, der oft schwierig ist. Wer gesteht sich schon gern ein, etwas nicht so wirklich gut im Griff zu haben. Auf der anderen Seite ist es ein Lernprozess, der hilft, zukünftig entspannter durchs Leben zu gehen und klar zu entscheiden, was man schaffen kann und was nicht.

Wir haben für Sie einige Beispiele zusammengestellt, die helfen können, mehr Zeit für sich zu gewinnen.

Dokumente finden leicht gemacht

Weg vom Zetteldurcheinander. Quetschen Sie nicht alle wichtigen Papiere in einen Ordner oder gar in einen Schuhkarton. Sortieren Sie wichtige Dokumente in Ordner, die nach entsprechenden Themen sortiert sind und an einem festen Ort gelagert werden.

Listen Sie auf, was wichtig ist

Eine To-do-Liste, egal ob auf einem Zettel oder in einer App auf Ihrem Smartphone, hilft, den Überblick über Prioritäten zu wahren, und verschafft Erfolgserlebnisse – immer, wenn ein Punkt erledigt ist, ist es ein Genuss, ihn durchzustreichen oder zu löschen.

Wie in der Schule – der Stundenplan

Wer viele Termine hat, braucht einen Überblick. Planen Sie regelmäßig Pausenzeiten ein und halten Sie sich daran. So schaffen Sie Freiräume und können Ihre Termine leichter einhalten. Wichtig: Bleiben Sie konsequent, wir wissen, dass das manchmal schwer ist, aber auch Konsequenz kann trainiert werden.

Kommunikation

Es ist sicher nicht immer einfach zu sagen, was man braucht. Oft genug ist dann Mitleid von anderen im Spiel. Man erreicht aber Akzeptanz und die eigenen Bedürfnisse werden berücksichtigt, wenn man sie objektiv und neutral kommuniziert.

NEIN!

Ein gemeines Wort. Es verschafft oft ungute Gefühle. Wir wissen das. Auf der anderen Seite: Wenn Sie etwas nicht tun können, weil Ihnen die Kraft fehlt, müssen Sie diese vier Buchstaben lernen und einsetzen. Letztlich kann ein „Nein“ zum Freund werden und vor Überforderung schützen. Sie möchten es mildern? Kein Problem, oft hilft es schon, jemanden zu kennen, der helfen kann. Empfehlen Sie zum Beispiel einen anderen, gemeinsamen Freund.

Kümmern wir uns um Nippes und Überflüssiges?

Wer Klarheit schaffen will, muss auch einen Blick auf das werfen, was in den Regalen verstaubt. Entledigen Sie sich der Staubfänger in Ihrer Wohnung. Übrigens auch in Ihrem Kleiderschrank. Das kann unangenehm sein – wer trennt sich schon gern von lieb gewonnenen Stücken? Auf der anderen Seite bringt das Ausmisten auch die eine oder andere längst vergessene Kostbarkeit zurück ans Tageslicht, die es wert ist, gezeigt zu werden.

Das Smartphone als Erinnerungshilfe

Es gibt zahlreiche Apps, die helfen, nichts zu vergessen. Nutzen Sie die moderne Technik für sich und lassen Sie sich zum Beispiel an die Einnahme von Medikamenten oder an Termine erinnern.

Tun Sie sich selbst Gutes

Wer das Leben neu strukturiert, gewinnt Zeit. Zeit, die man fest für sich beanspruchen darf und soll. Diese Zeit ist die beste Zeit, sich selbst Gutes zu tun, Spaß zu haben und die Seele baumeln zu lassen. Planen Sie das fest in neue Pläne ein. Die Dosis: täglich bitte. Und lassen Sie sich dabei nicht stören!

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim Ausmisten und viel Spaß mit Ihrer neu gewonnenen Zeit und einem leichteren Leben!

Ihr Team von MS & Ich