Diagnostik bei Multipler Sklerose

Der Komplexität des Krankheitsbildes entsprechend ist die Diagnostik der MS umfangreich. Andere Erkrankungen, die anfänglich ähnliche Beschwerden auslösen können, wie Borreliose oder bestimmte Stoffwechselerkrankungen, müssen ausgeschlossen werden, bevor die Multiple Sklerose medizinisch gesichert ist.1

Anamnese und klinisch-neurologische Untersuchungen

In einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) befragt der Arzt die Patienten nach früheren möglichen Anzeichen, die auf MS hinweisen könnten. Wenn mit der körperlichen Untersuchung und neurologischen Tests – Überprüfung der Reflexe, Sensibilitätstests, Koordinations- und Gleichgewichtsuntersuchungen – sowie der Erfassung der EDSS-Skala die Diagnose erhärtet wird, folgen weitere Untersuchungen.1,2

Labordiagnostik

Neben verschiedenen Blutanalysen ist die Untersuchung von Liquor („Nervenwassser“) ein weiterer Schritt, um die Diagnose zu stützen: Bei MS können bestimmte Immunzellen und Myelinbruchstücke im Liquor nachgewiesen werden. Bei etwa zwei Drittel der Patienten finden sich oligoklonale Banden, eine bestimmte Konstellation von Antikörpern, die schon relativ deutlich auf MS hinweisen.1,2

Bildgebende Verfahren

Mit einer Magnetresonanztomografie (MRT) können die gesunden und krankhaften Strukturen von Gehirn und Rückenmark (ZNS), wie MS-typische Läsionen, sehr genau dargestellt und beurteilt werden. Die Verabreichung eines Kontrastmittels erhöht die Empfindlichkeit der MRT-Bilder und macht auch kleinere und neuere Entzündungsherde sichtbar.1,2

Elektrophysiologische Untersuchungen

Störungen der elektrischen Reizweiterleitung, die bei MS-Patienten aufgrund der Myelinschädigung auftreten, lassen sich mit der Untersuchung der „evozierten Potenziale“ (EP) nachweisen. Darunter versteht man die Messung der elektrischen Gehirnströme in der Sehbahn, der Hörbahn oder beim Fühlen, die durch gezielte Reizung des jeweiligen Sinnesorgans hervorgerufen (evoziert) werden.3

Insbesondere die Bestimmung der Leitungsfähigkeit der Sehnerven, die visuell evozierten Potenziale (VEP), spielen in der MS-Diagnostik eine wichtige Rolle, da auch auf diese Weise demyelinisierte Herde entdeckt und darüber hinaus Störungen der Nervenleitung zu einem Zeitpunkt nachgewiesen werden können, wenn der Patient noch keine Sehstörungen bemerkt.2

 


Quellen

  1. Neurologen und Psychiater im Netz. Aufgerufen unter http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/multiple-sklerose-ms/diagnostik
  2. Gold R et al. DGN-Leitlinie Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose; Stand Jänner 2012, Ergänzung August 2014
  3. DocCheck Flexikon – Evoziertes Potential. Aufgerufen unter http://flexikon.doccheck.com/de/Evoziertes_Potential